2018. Klassische Website, kann das weg?

So, das neue Jahr hat mal wieder begonnen, da fragen wir uns schon gespannt, was uns im Webdesign und Web Development in 2018 erwarten könnte und wie es zukünftig generell um die good old Website bestellt sein wird. Bleibt hier alles beim Alten oder wird es bahnbrechende Veränderungen beim Thema Website geben? Tragen bald alle nur noch Datenbrille oder lesen den täglichen Blogbeitrag, RSS-Feed und die Frühstücksnews auf dem Fitnessarmband oder mit VR-Brille auf dem Kopf?

Website, WebApp, Landingpage? Content Hub!

Generell geht der Trend zwar schon länger weg vom aufgeblähten old-school Unternehmensweb-Auftritt. Und „Website-only“ ist sicherlich nicht nur für Unternehmen keine Option mehr. Die klassische Website ist nach wie vor wichtig und auch nicht wirklich wegzudenken. Aber anstatt den User mit statischem Content zu langweilen und zu versuchen, den kompletten Digitalbereich mit der hauseigenen Seite abzudecken und womöglich komplett auf die sozialen Medien zu verzichten, wird es hier zu einer Aufsplittung in Landingpages, WebApps und Microservices kommen, welche gezielter für die Lead-Generierung und Conversion optimiert und ausgewertet werden können. Das macht total Sinn, um unnötigen Aufwand bei der Entwicklung von Webseiten einzusparen und gleichzeitig die Stärken und Vorteile der auf kleine Aufgaben spezialisierten Services zu nutzen. Warum zum Beispiel eine eigene Bildergalerie in die Website einbauen, wenn man auch einfach den eh schon vorhandenen Instagram Feed nutzen kann? Der komplette Content aus verschiedensten Quellen landet dann im sog. „Content Hub“. Das ist rein technisch gesehen natürlich auch nach wie vor eine Website, vom Grundgedanken her ist es aber eher eine Art „Zuhause“ für Content, der je nach Bedürfnis und Situation in verschiedensten Formaten (z.B. Videos, Podcasts, Blog-Artikeln, Infografiken usw.) angeboten wird.

Also: Die gute alte Website wird uns natürlich erhalten bleiben, wobei die Challenge hier in der Verknüpfung und im Zusammenspiel mit externen Services und Ressourcen liegt. Und die Gewichtung wird sich deutlich hin zu Mobile-first oder sogar Mobile-only verlagern, da sich die Surfgewohnheiten nicht nur bei uns mehr und mehr in Richtung Smartphone als Gerät der Wahl verändern.

Animation & Storytelling

In den letzten beiden Jahren konnte man beobachten, daß sich besonders im Bereich Animation und Storytelling eine Menge getan hat. Mehr Bewegtbildinhalte und Mikrointeraktionen fanden sich auf vielen Seiten wieder, um die USPs noch besser und gezielter zu transportieren und das User-Erlebnis (UX) zu verbessern. Nach dem „Ableben“ von Flash ging es erstmal in Richtung Mega-reduziert und simpel, mittlerweile könnte man aber meinen, Flash sei wieder zurück. Naja, zumindest sehen viele Websites teilweise wieder sehr ähnlich aus wie „damals“. Selbst das gute, alte „Intro“ erkämpft sich hier und dort wieder zurück.

Durch gutes Storytelling auf Websites wird dem User eine individuellere und spannendere Art der Content-Aufbereitung geboten. Im letzten Jahr haben wir schon viele schöne, technisch anspruchsvolle und zum Nachdenken anregende Beispiele begutachten dürfen. Auch hier sagen wir: Daumen hoch für mehr Individualität und mehr Fokus auf einzigartige Weberlebnisse!

Wie sieht es beim Design aus? Schon 2017 war zu beobachten, daß viele Webdesigner so langsam doch ein wenig gelangweilt waren vom immer wiederkehrenden Flat Design der vergangenen Jahre. So schön und klar viele Designs dadurch wurden, sind auch wir der Meinung, daß es mal wieder an der Zeit ist, etwas mehr Haptik und Tiefe ins Webdesign zurückfliessen zu lassen, um nicht im visuellen Bore-out zu enden und um wieder mehr gestalterische Individualität und Vielfalt hervorzubringen abseits der immer gleich aussehenden Icons und Symbole. Trotzdem wird das Webdesign auch in 2018 eher minimalistisch bleiben. Statt der üblichen Fullscreen Bilder- oder Videoslider könnte es eher in Richtung von typografischen Lösungen als Hero-Slide-Ersatz gehen.

Auch bei der Wahl von Farben und Typo hat sich schon im letzten Jahr einiges getan: Die Farben etwas mutiger und greller und die Typo gerne wieder fetter als bei Apple. Wobei die ja auch schon längst wieder weg von der Helvetica UltraLight hin zur plakativeren Bold-Variante übergegangen sind. Naja, mal schauen, was hier in 2018 noch an Überraschungen kommen wird.

Gestaltungsraster / Grid.

Da könnte und sollte sich wohl auch mal wieder etwas bewegen. Durch die Überflutung des Webs mit diversen Premium WordPress-Themes (ok, nutzen wir hin und wieder auch gerne) in den letzten 3-5 Jahren könnte man meinen, eine Website MUSS immer ein Top-Menü, darunter einen Slider und darunter wiederum 3 Teaserboxen enthalten. Ok, manchmal auch 4. Jedenfalls meistens alles recht ähnlich und austauschbar. Zugegeben – für viele Anwendungsfälle ist das keine schlechte Form der Darstellung des Contents, mittlerweile trotzdem etwas „boring“. So langsam kann man damit auch Leute, die sich nicht so sehr mit der Thematik beschäftigen, nicht mehr sonderlich beeindrucken und Aha-Erlebnisse erzeugen. Daher: Bitte wieder mehr Mut zu neuen Grids, Menüs usw. und auch mal den Screen-füllenden Slider einfach weglassen. Wir werden es zumindest versuchen bzw. andere Lösungen empfehlen (Storytelling), auch hier vor allem mit dem Background, wieder einzigartigere und weniger austauschbare Web-Erlebnisse zu erschaffen und das Surfen im Netz wieder ein wenig überraschender zu gestalten!

Und sonst?

Ein ganz wichtiger Punkt und eine wünschenswerte Veränderung ist sicherlich, die Performance von Websites zu optimieren. Neben der technischen Seite (Stichwort http/2) gilt es auch hier, den exzessiven Einsatz von Video-Mega-Slidern in Zaum zu halten und stattdessen vielleicht mit leichtgewichtigeren Animationen und Mikrointeraktionen (CSS3 Keyframes) sowie einfach besserem Content zu punkten. 2018 könnte zudem das Jahr des Verzichts auf unnötige Teaserbilder in Form von austauschbarem Stockmaterial usw. werden. Hier liegt der Fokus ganz klar auf der Conversion rate und auf dem Weglassen von unnötigen Gimmicks und Spielereien. Zudem scheint es immer noch so, als wenn die mobilen Geräte hierzulande bei der Webentwicklung nicht unbedingt gebührend in die Strategie mit einbezogen werden. Leider sieht man noch recht häufig schlecht angepasste, nicht responsive und teilweise lähmend langsame Sites. Hier wird sich 2018 aber sicherlich einiges verändern, was auch dringend nötig ist, wenn man sich die aktuellen Statistiken der im Web verwendeten Endgeräte so anschaut. Zwar hängt man in Deutschland im Vergleich zum Rest der Welt noch etwas mehr vor dem PC oder Laptop, aber es ist schon klar zu erkennen, daß sich das mit großen Schritten hin zur mobile-only-Nutzung ändern wird, vor allem im Consumerbereich. Mobile first sollte also bei der Planung der neuen Website zumindest in Erwägung gezogen werden.

 

Aber das Wichtigste für uns: Es bleibt weiterhin extrem spannend und durch die vielen, neuen Frameworks, Services und mobilen Gadgets, bieten sich einfach tolle Möglichkeiten für die Umsetzung zukünftiger Projekte. Wir freuen uns auf die neuen Herausforderungen in 2018!